In der Jugendhilfeplanung wird zwischen Bedürfnis und Bedarf unterschieden, weil sich die individuelle Wahrnehmung einer Person nicht automatisch in einem gesellschaftlich anerkannten Handlungsbedarf widerspiegelt.
- Bedürfnisse sind individuell – sie beschreiben, was sich einzelne Kinder, Jugendliche oder Familien wünschen oder als wichtig empfinden. Ein Jugendlicher kann zum Beispiel das Bedürfnis nach einem Skatepark in seiner Nähe haben, während ein anderer lieber ein Jugendcafé möchte.
Bedürfnisse werden in der Planung als legitim und individuell berechtigt betrachtet, ziehen jedoch nicht zwingend einen öffentlichen Handlungsbedarf nach sich. - Bedarf entsteht, wenn diese individuellen Bedürfnisse in einem strukturierten Planungsprozess geprüft und abgewogen werden und durch eine entsprechend legitimierte Instanz, wie beispielsweise den Stadtrat, als handlungsleitend anerkannt werden. Dabei fließen nicht nur persönliche Wünsche ein, sondern auch konkurrierende Interessen, verfügbare Ressourcen, fachliche Einschätzungen und die politische Willensbildung.
Die Erhebung der Wünsche und Bedürfnisse von (jungen) Bürger*innen ist für die Jugendhilfeplanung einer der zentralen Aufgabenschwerpunkte. Aus diesem Grund verwendet Sie eine breite Palette an Methoden diese möglichst umfassend und in allen Bevölkerungsgruppen zu erfassen.
Für den Teilplan wurden konkret folgende Instrumente Eingesetzt:
Kinder- und Jugendbefragung
Eine Befragung mittels (online) Fragebogen, an der alle Kinder und Jugendlichen mit Wohnsitz in Erlangen teilnehmen konnten und zu der sie per Post explizit eingeladen wurden. An dieser Befragung haben 954 junge Erlanger*innen teilgenommen. Damit blieb der Rücklauf sowohl hinter den letzten Befragungen dieser Zielgruppe (2014 und 2018), als auch hinter den Hoffnungen zum Rücklauf zurück.
Näheres zu Aufbau und den Ergebnissen der aktuellen Kinder und Jugendbefragung finden Sie hier.
Diese Befragung bietet für eine Reihe an Fragestellungen gute Hinweise auf die Bedürfnisse Erlanger Kinder und Jugendlicher.
Bei Befragungen, wie der genannten muss immer berücksichtigt werden, dass diese nicht von allen Bevölkerungsgruppen in gleichem Umfang genutzt werden. Junge Menschen aus bildungsnahen Familien und besserer materieller Ausstattung sind, nicht nur in Erlangen, bei Befragungen dieser Art deutlich überrepräsentiert. Auf der anderen Seite sind gerade Menschen, die z.B. aufgrund von Sprachbarrieren oder materiellen Einschränkungen sowieso einen erschwerten Zugang zu Angeboten der Jugendarbeit haben in diesen Befragungen oft unterrepräsentiert und ihre Meinungen können mit diesem Instrument nicht ausreichend mitberücksichtigt werden. Dies trifft insbesondere auch auf Menschen mit Behinderungen zu.
Einzelinterviews
Da dies eine bekannte Tatsache darstellt, wurde von Anfang an eine alternative Erhebungsmethode mitgedacht. In Einzelinterviews wurden gezielt junge Erlanger*innen angesprochen, die zu Bevölkerungsgruppen gehören, die mit Fragebogen-Befragungen nicht oder nur schwer erreicht werden. Im Zeitraum vom Herbst 2023 bis Sommer 2024 wurden insgesamt 188 Interviews geführt.
Näheres zu Aufbau und Ergebnissen der Interviews finden Sie hier.
Die Interviews gehen bei etlichen Fragen nicht in so in die Tiefe, wie dies bei dem quantitativen Fragebogen möglich ist. Dies wurde nach intensiven Besprechungen mit Kooperationspartnern (Lebenshilfe, Otfried Preußler-Schule, Bildungsbüro, Jugendsozialarbeit) so festgelegt. Beim geplanten Zielpublikum der Befragung hätten umfangreichere Bögen aller Voraussicht nach nicht zu einem inhaltlichen größeren Erkenntnisgewinn geführt. Dies führt jedoch auch dazu, dass zu einzelnen Fragestellungen nicht die Menge an Informationen vorliegt, die wir uns für einen umfassenden Planungsprozess wünschen würden.
Dies wurde auch bereits kritisch in der ersten Sitzung der Fachgruppe angemerkt. Dies wird entsprechend in den Schritten zur Fortschreibung des Planes berücksichtigt werden.
Elternbefragung
Die Bedürfnislagen der Kinder und Jugendlichen können nicht vollkommen unabhängig von denen der Eltern und Familien betrachtet werden. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurden parallel zu den Kindern und Jugendlichen auch Eltern und Erziehungsberechtigte befragt. An dieser Befragung beteiligten sich 665 Erlanger Familien. Ähnlich wie bei der Kinder- und Jugendbefragung sind auch in dieser Befragung Familien mit Migrationshintergrund sowie bildungsferne Familien (deutlich) unterrepräsentiert. Eine diese Aspekte ausgleichende Einzelbefragung ist für einen der kommenden Fortschreibungsschritte vorgesehen, konnte bislang jedoch noch nicht umgesetzt werden.
Näheres zu Aufbau und Ergebnissen der aktuellen Elternbefragung finden sie hier.
Die Ergebnisse der einzelnen Befragungen werden aktuell gesichtet und diskutiert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Erlanger Kinder, Jugendlichen und deren Familien werden nach Abschluss dieser Projektphase hier dargestellt werden.

