Qualitative Interviews

Teilplan Jugend der Stadt Erlangen

Qualitative Interviews der Jugendhilfeplanung

Was sind qualitative Interviews?

Prof. Dr. Wolfgang Ludwig-Mayerhofen von der Universität Siegen beschreibt dies so:

„Das Ziel von qualitativen Interviews ist, die Untersuchungspersonen zur ausführlichen Darstellung ihrer eigenen Weltsicht/Lebenswelt/symbolischen Konstruktionen/ Relevanzsysteme zu bringen. Daher werden entweder sehr wenige ex-ante-Steuerungselemente des Interviewverlaufs (narratives Interview, Gruppenerhebungsverfahren) oder jedenfalls deutlich weniger (Leitfadeninterview, ExpertInneninterview) als standardisierte Verfahren verwendet.
Aber: Qualitative Befragungen verlaufen nicht ungesteuert. Die Steuerung ist jedoch nicht durch ein festes Instrument vorgegeben, sondern erfolgt während des Interviews, teilweise durch die Regeln ,natürlicher‘ Gespräche. Daher wird das Interview in aller Regel face to face durchgeführt, auf jeden Fall so, dass Reaktion auf die Befragten möglich ist (Alternative zu mündlich also z. B.: Interaktive Onlinebefragung).“

Die Bedeutung variiert insbesondere mit dem lebensweltlichen bzw. kulturellen Hintergrund und Erfahrungen der Befragten. Im Gegensatz hierzu verdecken standardisierte Verfahren diese Sachverhalte.

„Der Vorteil offener Verfahren besteht aber darin, dass diese Schwierigkeit thematisch wird. In seinen Antworten gibt der/die Befragte zu erkennen, wie er/sie die Frage aufgefasst hat.“ .
Der Befragte wird also im offenen Interview dazu gebracht, selber anzuzeigen, was für ihn in welcher Weise relevant ist.“ (Kohli 1978: 10, 11)“ (Quelle: https://www.uni-siegen.de/phil/sozialwissenschaften/soziologie/mitarbeiter/ludwig-mayerhofer/methoden/methoden_downloads/methoden_i_7.pdf; 15.09.2025)

Bei dieser Interviewart ist der Fragetext und die Reihenfolge der Fragen fest vorgeschrieben. Dadurch sollen gleiche Bedingungen für alle Befragten hergestellt werden und damit sind die Ergebnisse letztendlich leichter vergleichbar.

  • Das „Prinzip der gleichen Bedingungen“ verlangt:
    • Alle Interviews müssen gleichermaßen standardisiert durchgeführt werden.
    • Um unverfälschte Antworten zu erhalten, müssen sich sämtliche Aktivitäten bzw. Verhaltensweisen der Interviewer durch absolute Neutralität gegenüber den Befragten auszeichnen.
      Neutralität wird hergestellt,
      • indem der Interviewer in keinem Fall seine eigene Meinung zum Thema oder zu einzelnen Fragen äußert,
      • indem der Interviewer in keinem Fall Befragte bei der Wahl der Antwortkategorie(n) bzw. bei der Formulierung der Antwort beeinflusst.
    • Es darf kein „Gespräch“ sein, sondern eher eine „Frage-Antwort-Situation“.

Die Interviews gehen bei etlichen Fragen nicht in so in die Tiefe, wie dies bei dem quantitativen Fragebogen möglich ist. Dies wurde nach intensiven Besprechungen mit Kooperationspartnern (Lebenshilfe, Otfried Preußler-Schule, Bildungsbüro, Jugendsozialarbeit) so festgelegt. Beim geplanten Zielpublikum der Befragung hätten umfangreichere Bögen aller Voraussicht nach nicht zu einem inhaltlichen größeren Erkenntnisgewinn geführt. Dies führt jedoch auch dazu, dass zu einzelnen Fragestellungen nicht die Menge an Informationen vorliegt, die wir uns für einen umfassenden Planungsprozess wünschen würden.

In der ersten Sitzung der Fachgruppe wurde dies kritisch angemerkt. Entsprechend wird das in den Schritten zur Fortschreibung des Planes berücksichtigt werden.

Teilnehmende und Rahmenbedingungen

Die befragten Jugendlichen waren zumeist zwischen 14 und 21 Jahren alt. Teilnehmende unter 14 Jahren benötigten die Genehmigung durch die Eltern.

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Die Dauer des Gesprächs belief sich im Schnitt auf 10 Minuten.

In Einzelinterviews wurden gezielt junge Erlanger*innen angesprochen, die zu Bevölkerungsgruppen gehören, die mit Fragebogen-Befragungen nicht oder nur schwer erreicht werden. Im Zeitraum vom Herbst 2023 bis Sommer 2024 wurden insgesamt 188 Interviews geführt.

Hier leben die befragten Jugendlichen

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Interviewleitfaden

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Ergebnisse der qualitativen Befragung

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

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Organisierte Freizeitangebote

Die jungen Menschen wurden befragt, ob sie an organisierten Angeboten teilnehmen.

92 Jugendliche geben an, dass sie an einem betreuten Angebot angedockt sind. Die deutliche Mehrheit mit 60 % betreibt dabei Individualsport oder eine Mannschaftssportart. Für das Gemeinwohl engagieren sich 11 %, Musik machen oder erlernen in den verschieden Instrumentengruppen oder Chören 3 % der Befragten und 11% der Jugendlichen besuchen einen Jugendtreff und/ oder die Abenteuerspielplätze.

Für den Besuch von betreuten Angeboten spielen häufig mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle. Gemeinschaft erleben und Teil einer Gruppe zu sein, verbunden mit Freude an der jeweiligen Aktivität dominieren.

Der Wunsch nach Anerkennung oder der Wille der Eltern spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Betreute Freizeitangebote bieten eine Abwechslung zum Schul- oder Ausbildungsalltag und wirken dadurch entspannend und entlasten.

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Dauer des Besuch eines betreuten Angebots

  • 10 % der Jugendlichen besuchen es seit weniger als einem Jahr
  • 18 % der Jugendlichen besuchen es zwischen ein bis fünf Jahren
  • 13 % der Jugendlichen besuchen es seit mehr als Jahren
  • 18 % der Jugendlichen konnten dazu keine Angaben machen

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Jugendliche lernen in betreuten Freizeitangeboten nicht nur etwas über das jeweilige Hobby, sondern entwickeln Schlüsselkompetenzen, die sie im weiteren Lebensverlauf auch außerhalb der Angebote gewinnbringend einsetzen können.

Damit erzielen sie wichtige Lerneffekte – nicht nur fachlich, sondern besonders auch persönlich und sozial.

Die Persönlichkeitsentfaltung wird durch diese Aktivitäten angekurbelt. Durchhaltevermögen und Problemlösestrategien werden entwickelt.

Hinderungsgründe für den Besuch eines betreuten Angebots

Es fällt auf, dass besonders viele Jugendliche im Rahmen der qualitativen Befragung kein betreutes Freizeitangebot besuchen. Nach Aussage der betreuenden Lehrkräfte wüssten die jungen Menschen häufig nichts von den Angeboten in ihrer Nähe oder den Möglichkeiten in der Stadt. Auch seien die Eltern nicht immer so engagiert und unterstützend bei der Suche und/ oder dem Durchhalten in einem Angebot.

Aus den Antworten der Jugendlichen lässt sich schlussfolgern, dass keine betreuten Angebote besucht werden, weil es entweder nicht zu ihren Interessen passt, familiäre oder finanzielle Hindernisse bestehen, oder weil die Angebote selbst nicht erreichbar, attraktiv oder bekannt genug sind.

Die größte Hürde stellt jedoch die mangelnde Zeit dar. Die Jugendlichen geben an, dass nach Schulbesuch und Vorbereitungen auf den Schulalltag wie auch für Prüfungen nur wenig freie Zeit übrig bleibe. Diese verbrächten sie daher lieber zu Hause oder gemeinsam mit Freunden.

Exemplarisch lassen sich unter „Sonstiges“ folgende Aussagen anführen:

  • das häusliche Umfeld wird als attraktiver empfunden
  • gesundheitliche Gründe
  • das geforderte Leistungsniveau sei nicht erreichbar/ zu hoch
  • Faulheit
  • Angebote seien mit zu vielen Regeln verbunden
  • Angebote würden primär dann wahrgenommen werden, wenn eine Teilnahme im Freundeskreis möglich ist; fehlt diese Voraussetzung, wird von einer Nutzung abgesehen.
  • fehlendes Selbstvertrauen
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Qualitative Befragungen im Jugendhaus BLACKBOX

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Das Jugendhaus Blackbox veranstaltete im Rahmen des ersten Kinder- und Jugendgipfels einen Hip Hop Contest. Doch nicht nur Tanz-Moves standen im Vordergrund. Eine qualitative Befragung der teilnehmenden Jugendlichen rundete das Programm ab.

Interviewleitfaden

Der Fragebogen wurde vom Team der Offenen Jugendsozialarbeit entwickelt und ähnelte in weiten Bereichen den Fragen der qualitativen Interviews der Jugendhilfeplanung.

Fragebogen der BLACKBOX

  1. Altersabfrage
  2. Geschlechtsabfrage
  3. Wohnort
  4. Besuchst du regelmäßig Freizeiteinrichtungen (z.B. Jugendtreffs, Sportvereine, etc)?
  5. Wie oft nutzt du diese?
  6. Weshalb besuchst du diese Einrichtungen (z.B. Freizeit, Freunde, offener Treff, …) ?
  7. Bist du mit dem Angebot in deinen Freizeiteinrichtungen zufrieden?
  8. Falls du mit dem Angebot zufrieden bist – „Was gefällt dir an den Angeboten besonders gut?“
  9. Falls du mit dem Angebot nicht zufrieden bist – „Welche Angebote wünschst du dir stattdessen?“
  10. Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister*in von Erlangen wärst?

Ergebnisse der Befragung

  • zu 2.: 49 männliche und 23 weibliche Jugendliche haben die Fragen beantwortet.
  • zu 3.: 72 Jugendliche nahmen an der Befragung teil. Davon wohnen 9 junge Menschen außerhalb von Erlangen. Der Großteil der Befragten lebt im Stadtgebiet.
  • zu 4.: 52 Jugendliche besuchen laut ihren Angaben regelmäßig Freizeiteinrichtungen.
  • zu 5.: Die Besuche erfolgen von 45 Jugendliche in der Mehrheit ein- bis zweimal wöchentlich. 20 Jugendliche geben an, dass sie mindestens dreimal oder öfter in der Woche eine Freizeiteinrichtung besuchen.
  • zu 6.: Die Gründe überschneiden sich mit den Ergebnissen aus den qualitativen Interviews: Freunde treffen und Spaß haben stehen an erster Stelle.
  • zu 7.: Hier konnten Punkte von 1 bis 10 vergeben werden. Je höher gepunktet wurde, desto zufriedener sind die Jugendlichen. 59 Befragte geben an, dass sie sehr zufrieden mit dem Angebot sind. (8-10 Punkte)
  • zu 8.: Besonders gut gefällt das gesamte Programm der Einrichtungen, das soziale Miteinander und der Spaß mit den anderen Besucher*innen und dem Fachpersonal sowie die Möglichkeit der kostenlosen Angebotsnutzung.
  • zu 9.: Die gemachten Angaben zeigen keinerlei Änderungswünsche. Alles soll und kann so bleiben, wie es bisher ist.
  • zu 10.: Die Antworten sind vielfältig und wurden daher geclustert. Die häufigsten sind in nachfolgender Grafik zu sehen.
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Die Änderungswünsche oder -vorstellungen im Bereich SONSTIGES sind vielfältig: von anderen Rahmenbedingungen des Schulbesuchs, über mehr öffentliche Toiletten und einem Aufheben der Sperrstunde bis hin zu einer Verringerung der Baustellen auf den städtischen Straßen. Dies sind Einzelmeinungen, die unter diesem Punkt zusammengefasst wurden.