| Ergebnisprotokoll 1. Fachgruppensitzung Teilplan Jugend – „Erwachsenwerden in Erlangen“ Anwesend: Projektgruppe Christian Schübel-Gabler, Stadtjugendamt – Stellvertretender Jugendamtsleiter + Abteilungsleiter „Jugendsozialarbeit und Jugendarbeit“ Stefan Käs, Stadtjugendamt – Sachgebietsleiter „Sachgebiet Planung“ Chiara Stüdl, Stadtjugendamt – Jugendhilfeplanerin Judith Paulus, Stadtjugendamt – Jugendhilfeplanerin Christian Kohlert, Stadtjugendring Erlangen – Stadtjugendpfleger Teilnehmende: Stadtjugendring Erlangen – Vorstandsvorsitzender Stadtjugendamt – Sachgebietsleitung „Offene Jugendsozialarbeit und Abenteuerspielplätze Kulturamt – Leitung der Sing- und Musikschule Büro für Chancengleichheit und Vielfalt – Gleichstellungsbeauftragte Büro für Chancengleichheit und Vielfalt – Diversitätsbeauftragte Lebenshilfe Erlangen e.V. – Gesamtleitung Heilpädagogische Tagesstätte Amt für Stadtteilarbeit – Ansprechpartnerin für die Erlanger Jugendclubs Amt für Stadtteilarbeit – Abteilung Kultur und Bildungscampus: Spielplatzbüro Fraktionsvorsitzende Grüne Liste, Vorsitzende im JHA Polizeiinspektion Erlangen – Jugendpräventionsbeamter Deutscher Kinderschutzbund Erlangen – Vorstandsvorsitzende Deutscher Kinderschutzbund Erlangen – Geschäftsführerin |
Tagesordnung:
Begrüßung durch Christian Kohlert und Christian Schübel-Gabler
- Christian Schübel-Gabler stellt die Projektgruppe vor und bedankt sich für die Teilnahme an der Fachgruppe.
- Christian Kohlert begrüßt alle Anwesenden in den Räumlichkeiten des SJR.
Themenrahmung durch Stefan Käs
- Der Teilplan Jugend „Erwachsen werden in Erlangen“ wird derzeit neu geschrieben.
- Die Ergebnisse werden auf einer Homepage veröffentlicht
- Im Mai/Juni 2023 erfolgte daher nach über 20 Jahren eine schriftliche Befragung von jungen Menschen im Alter zwischen 10 bis 21 Jahren sowie deren Eltern mit dem Ziel, das Freizeitverhalten und die grundlegenden Bedarfe von Kindern und Jugendlichen zu ermitteln.
- Im Mittelpunkt der Befragung stehen die ragen nach dem Freizeitverhalten der jungen Menschen.
- Auch die Erlanger Angebotsstruktur sowie die tatsächlich freie Zeit von Kindern und Jugendlichen wird abgefragt.
- Die schriftliche Befragung wurde überwiegend von der Bevölkerungsgruppe mit
- deutscher Staatsangehörigkeit
- einem höheren Bildungsabschluss (Eltern) bzw. dem gymnasialen Werdegang (Kinder und Jugendliche)
- denen als Familie ein relativ hohes Nettohaushaltseinkommen zur Verfügung steht (46% mehr als 5.500 € und 34% 3.500 € – 5.500 €)
- die länger als 10 Jahre in Erlangen leben
- Kinder und Jugendliche, die unter 18 Jahren alt sind.
- Deshalb wird die Befragung durch die Qualitativen Interviews ergänzt. Hierbei werden gezielt Personengruppen befragt, die an der schriftlichen Befragung nicht teilgenommen haben.
- Teilnehmende am Kinder- und Jugendgipfel 2023
- Schüler*innen der Georg-Zahn-Schule
- Schüler*innen der Otfried-Preußler-Schule
- Schüler*innen im Berufsvorbereitungsjahr kooperativ (Bvj-k)
Ziel der Befragung im Rahmen des Teilplans sind Maßnahmeempfehlungen für Politik und in der Jugendarbeit Aktiven sowie die Erstellung einer „Charta der Jugendarbeit“.
Themenblöcke mit Diskussion zu den Befragungsergebnissen
Informationen zu Freizeitangeboten in Erlangen


Durch Mundpropaganda, über andere Eltern und/oder Freunde wird die Information
über spannende Angebote am meisten verbreitet. Das soziale Netzwerk
spielt somit eine große Rolle.
In der Altersgruppe der 10 bis 13-Jährigen sind die Informationen über die Eltern
stärker vertreten. Mit wachsender Selbstständigkeit der Jugendlichen erfolgt die
Information zunehmend über Social Media/Internet, Aushänge/Flyer/Programmhefte
und Jugendleiter*innen.
Junge Menschen in den unterschiedlichen Bildungsgängen nutzen unterschiedliche
Informationskanäle:
- Die Mittelschülerinnen bekommen die Informationen mehr über Social Media/Internet und von Jugendleiterinnen als die anderen Schulformen
- Erlanger Mittelschüler*innen sind tendenziell am schlechtesten über
Freizeitangebote informiert - Realschüler*innen bekommen die Informationen mehr über ihre
Freunde als andere Schulformen - Gymnasiasten bekommen die Informationen mehr über die Schule, Hort
und Mittagsbetreuung als die anderen Schulformen
Um eine effektive Kommunikation mit spezifischen Zielgruppen zu gewährleisten,
ist die Veröffentlichung von Werbeanzeigen in einem geeigneten Kontext
von entscheidender Bedeutung. Dies impliziert, dass die Werbung für ein bestimmtes
Angebot an den Orten platziert werden sollte, an denen sich Jugendliche
typischerweise aufhalten.
Eltern mit Migrationshintergrund sind häufig nicht so gut über bestehende Angebote
informiert oder tun sich schwerer, an diese Informationen heranzukommen.
Werbung über Mulitplikator*innen außerhalb der Vereine und Verbände erhöht
den Bekanntheitsgrad von Angeboten.
Frage:
Wie können Anbieter von Freizeit- und Bildungsangeboten gezielt unterschiedliche Kommunikationskanäle und -strategien
nutzen, um sowohl Jugendliche aus verschiedenen Bildungsschichten, Jugendliche mit Beeinträchtigungen als auch Eltern mit Migrationshintergrund effektiv zu erreichen?
Diskussion in der Fachgruppe:
- Mittelschüler sind oft schlecht informiert, da ihre Freunde nicht als Informationsquelle dienen.
- Eine Plattform, die alle Nutzer informiert, könnte helfen.
weitere Plattformen für Kinder und Jugendliche sind oft unattraktiv und bringen nur einen geringen Mehrwert. - Social Media als wichtiges Instrument der Jugendlichen
- Zentrale Orte für Informationen:
- Arztpraxen als mögliche zentrale Orte, Kontakt durch „Gesundheitsregion Plus“ möglich
- Überschriften in verschiedenen Sprachen als Eyecatcher und einfache Sprache bei Aushängen/Flyern.
- Geschäfte (z.B. Laden in Arcaden) könnten attraktiv sein.
- Hürden für zentrale Orte zu hoch, Infos müssen direkt zu Jugendlichen gebracht werden (Schulen, Einrichtungen, Netzwerke).
- Unterschiedliche Zielgruppen:
- Jugendliche wollen Ruhe und oft keine Angebote, besonders sozial benachteiligte Gruppen.
- Unterschiedliche Werbung nötig, differenzierter Ansatz zur Ansprache hierfür sollte für Jugendliche mit Migrationshintergrund Medien und Kanäle nochmal analysiert werden
- Weitere Ansätze
- Mundpropaganda als wichtigstes Informationsmedium, deshalb:
- Einbindung von Kontaktpersonen (Eltern, Klassensprecher).
- Individuelle Beratung der Jugendlichen und Darstellung der Angebote.
- Mundpropaganda als wichtigstes Informationsmedium, deshalb:
- Projektstellen wie bei der Lebenshilfe könnten ausgeweitet werden, um Teilhabe zu ermöglichen.
Ziel: Jugendliche da abholen, wo sie sind, und zu den Angeboten führen
- Präsenz in Schulen und sozialen Einrichtungen (z.B. SJR)
- Die Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit und Werbung sind bei den Angeboten und Vereinen sehr unterschiedlich vorhanden. Das hängt von der Größe des Vereins und dem Engagement ab.
- Kombinierter Ansatz: Informationen an Jugendliche und Eltern
- Frühes Einbinden von Kindern z.B. im Grundschulalter führt eventuell zu einer langfristigeren Beteiligung in einem Angebot.
Nutzung von Angeboten

Freizeitaktivitäten nehmen eine herausragende Stellung in der Lebenswelt von Jugendlichen ein und sind vor allem ein wichtiger Antrieb für ihre Entwicklung.
Sie werden oft als „Schlüsselressourcen für die Entwicklung“ bezeichnet.1
Die Ergebnisse weisen eine hohe Nutzung der Erlanger Angebote aus. Kinder und Jugendliche aus Erlangen besuchen durchschnittlich 2-3 Angebote. Jedoch
nehmen Mittelschüler signifikant an weniger Angeboten teil.
Dabei besuchen die meisten jungen Menschen über alle Altersklassen hinweg einen Sportverein (53%). Gefolgt von Musikaktivtäten (25%) und den offenen Jugendangeboten wie Jugendhäuser und Abenteuerspielplätzen (14%).
Junge Menschen sind somit in hohem Maße sportlich aktiv. Die Vergleichsstudie aus Halle weist vermehrt Sportarten aus, die weniger mannschaftsbezogen, dafür stärker individualisiert sind. Eine untergeordnete Rolle spielen im städtischen Raum Freizeitangebote der Rettungsdienste und im kreativ-caritativen
Bereich.
Erlanger Mittelschüler*innen docken vermehrt in den Jugendhäusern, Jugendtreffs und Jugendclubs an. In anderen Freizeitangebot sind sie deutlich unterrepräsentiert.
Jedoch besuchen auch 21% der befragten Mädchen und Jungen kein Angebot. Sie unternehmen lieber etwas mit Freunden oder haben niemanden aus der
Peergroup, der sie zu einem Angebot begleitet. Auch keine Lust und keine Zeit rangieren weit oben in der Liste der Gründe, weshalb kein Angebot besucht
wird.
Bei den qualitativen Interviews zeigt sich ein anderes Bild, denn hier besuchen nur die Hälfte der befragten Jugendlichen ein Angebot (54%).
72% der Eltern empfinden die Erlanger Angebotslandschaft von Freizeitmöglichkeiten ausreichend für ihr/e Kind/er.
Frage
Wie können die Jugendlichen erreicht werden, die bislang kein Angebot besuchen?
Diskussion in der Fachgruppe:
- Möglichkeit der Nutzung von Freizeitangebote bereits in der Schule (Daten zu den außerschulischen Freizeitangeboten)
- Einbezug jeder Jugendgruppe ist wichtig (u.a. für Demokratie)
- Angebote müssen integrativ ausgelegt werden
- In Angeboten ist häufig ein bildungsähnliches Klientel anzutreffen, evt. wegen sozialen Rückzugs anderer Gruppen → Es sollte darum Ziel sein:
- Chancengleichheit
- Chancengerechtigkeit
- Inklusion
- Niedrigschwelligkeit
in Angeboten herzustellen bzw. zu fördern.
- Hindernisse für Angebote:
- Angebote sind unbekannt
- Kosten (für Jugendliche und Träger
- Angst
- Interesse
- Fahrtweg bzw. Entfernung
- Kapazitätsgrenzen (fehlende Jugendleiter)
- Bequemlichkeit durch Medien-Konsum (vgl. JIM-Studie)
- Zeit (für Schule
- Die Zielgruppe der schwer erreichbaren Jugendlichen werden teilweise in den Jugendtreffs und der Jugendsozialarbeit erreicht, weil die Angebote freiwillig, nicht verbindlich sind und es wenige Regeln gibt.
- Räumlichkeiten der Jugendberufsagentur nutzen, um im Eingangsbereich für Angebote zu werben- falls die JUBA das erlaubt
- Jugendhilfe-Ansprechperson der Jugendberufsagentur über Freizeitmöglichkeiten informieren, damit ggf. darauf aufmerksam gemacht werden kann
- Instagram-Accounts der Schulen bespielen
- Ansätze, um Jugendliche für neue Angebote zu begeistern
- Ausprobieren ermöglichen
- Offener Rahmen/Angebote
- Angebote direkt im Anschluss vom Unterricht
- Bereits Grundschüler zur Teilhabe an Angeboten/ Vereinen begeistern (vor der Selektion im Schulsystem)
Erreichbarkeit der Angebote
Erlanger Kinder und Jugendliche sind grundsätzlich mobil und kommen zu ihren Freizeitaktivitäten. Das gibt ihnen und ihren Eltern die Freiheit, spontan
und flexibel an Angeboten und Aktivitäten teilzunehmen. Ein gut ausgebautes Fahrradnetzwerk und die öffentlichen Verkehrsmittel machen es möglich. Mobilität ist somit von zentraler Bedeutung für die Alltagsgestaltung von jungen Menschen.
Die Mehrheit der Erlanger Jugendlichen kommt selbstständig zu den Freizeitangeboten. Jugendliche aus den Randgebieten werden dabei etwas häufiger von den Eltern gefahren, als Jugendliche, die näher im Stadtkern leben. Die Selbstständigkeit nimmt dabei mit steigendem Alter zu.
Das von Jugendlichen häufigste genutzte Verkehrsmittel in Erlangen ist dabei das Fahrrad.
83% der Eltern bewerten die Erreichbarkeit der Angebote als gut.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Angebote im eigenen Stadtteil, also dem Wohnort, bevorzugt besucht werden. Damit hängt die Auswahl der Angebotsform
auch leicht vom Wohnort ab.

Infos zur Datenerhebung2
Frage
Wie können Freizeitangebote in Erlangen so gestaltet werden, dass sie für alle Jugendlichen gleichermaßen gut
erreichbar sind, unabhängig davon, ob sie in zentralen oder randständigen Stadtteilen wohnen?
Diskussion in der Fachgruppe:
- Geografischer Bewegungsradius der Familien sollte mitberücksichtigt werden (eigener Stadtteil und Innenstadt)
- Räume werden dann für Vereine benötigt
- Schulen sollten offen sein
- Leichteren Zugang ermöglichen
- Gute Erreichbarkeit für Jugendliche
- Dezentral
- Wollen Jugendliche überhaupt in der Freizeit wieder zurück in Schulen? (Ideal der Schule als Lebensraum nicht überall vorhanden)
- Räumlichkeiten in der Innenstadt sind begrenzt
- Schulen sollten offen sein
- Mobilität der Jugendlichen als wichtiges Kriterium für die Entfernung, hängt ab vom:
- Alter
- Bereitschaft der Eltern (“Elterntaxi“)
- Taktung der Fahrpläne
Zentrale Elemente von Freizeitangeboten
Damit Kinder und Jugendliche sich in ihren Freizeitangeboten wohl fühlen, müssen gewisse Rahmenbedingungen erfüllt sein.
Im Rahmen der Kinder und Jugendbefragung wurden Kinder und Jugendliche gebeten einzelne Merkmale von Treffpunkten nach ihrer Bedeutung zu bepunkten. Je höher der Wert, desto mehr Bedeutung hat ein einzelnes Merkmal.

Diskussion in der Fachgruppe:
- Antwortmöglichkeit „ich habe Spaß“ zu unkonkret und keine klare Abgrenzung zu den anderen Punkten, ist potenziell in allen anderen Antwortmöglichkeiten enthalten; darum geringer Erkenntnisgewinn
- Die hohe Bedeutung der Persönlichkeiten von Ehrenamtlichen Leitungspersonen wird als bemerkenswert erachtet.
- Hier liegt sowohl Aufgabe als auch Chance, da hier über Weiterqualifizierung Einfluss genommen werden kann. Von mehreren Teilnehmern wird betont, dass hier in Qualität investiert werden muss
- Die Zahl der Inhaber von JuLeiCa‘s ist insgesamt weitgehend stabil, Corona habe aber insbesondere bei der Zahl der Neu-Absolventen deutliche Spuren hinterlassen. Seither kommen weniger Neu-Jugendleiter hinzu.
- Ehrenamtliche Leiter übernehmen eine wichtige Funktion in Bezug auf die Sozialisation außerhalb des Elternhauses; Sie stellen ein bedeutendes Rollenmodell für orientierungssuchende Jugendliche dar.
- Aus den Ergebnissen der Erlanger Abfrage wird es zwar nicht deutlich, aber überregionale Studien haben mehrfach die Bedeutung für das Erleben von Selbstwirksamkeit aufgrund des gegebenen Experimentierraumes betont, insbesondere bei ehrenamtlich geführten Angeboten. Aufgrund der unterschiedlichen Aufgabenstellung besteht hier ein Unterschied zu professionell betreuten Angeboten (z.B. OJSA), dies birgt die Möglichkeit der Profilschärfung.
- Auch wenn die Bedeutung der externen Ansprechpartner von Seiten der Befragten nicht sehr hoch bewertet wurde wird deren Bedeutung und Wirksamkeit in Bezug auf Prävention und Resilienz-Unterstützung betont.
- Es wird über darüber diskutiert, ob der Begriff Fair-Play nicht zu hochschwellig ist und darum verzerrend wirken könnte – im Ergebnis wir jedoch für eine Beibehaltung votiert.
- (Quelle: Was geht? 2.0 Hallesche Kinder- und Jugendstudie 2024) ↩︎
- den Erhebungen so wie zu deren Methodik finden sie unter Planungsinstrumente ↩︎