Ergebnisprotokoll 2. Fachgruppensitzung Teilplan Jugend – „Erwachsenwerden in Erlangen“
Anwesend:
Projektgruppe
Entschuldigt: Christian Schübel-Gabler, Stadtjugendamt – Stellvertretender Jugendamtsleiter + Abteilungsleiter „Jugendsozialarbeit und Jugendarbeit“
Stefan Käs, Stadtjugendamt – Sachgebietsleiter „Sachgebiet Planung“
Chiara Stüdl, Stadtjugendamt – Jugendhilfeplanerin
Judith Paulus, Stadtjugendamt – Jugendhilfeplanerin
Christian Kohlert, Stadtjugendring Erlangen – Stadtjugendpfleger
Teilnehmende:
Digital zugeschaltet: Dr. Florian Janik – Oberbürgermeister der Stadt Erlangen
Dieter Rosner – Referent des Referats V Jugend, Familie und Soziales
Fraktionsvorsitzende Grüne Liste, Vorsitzende im JHA
Bildungsbüro – Bildungsmonitoring und Strategisches Übergangsmanagement
Büro für Chancengleichheit und Vielfalt – Diversitätsbeauftragte
Lebenshilfe Erlangen e.V.
Jugendsozialarbeit und Jugendarbeit der Stadt Erlangen, Sachgebietsleitung
Amt für Sport und Gesundheitsförderung
Stadtjugendring Erlangen – Erster Vorsitzender
Jugendparlament Erlangen – Zweiter Vorsitzender
Dachverband der selbstverwalteten Erlanger Jugendclubs
Deutscher Kinderschutzbund Erlangen – Geschäftsführerin
Amt für Stadtteilarbeit – Stabsstelle Freizeitorte, Spiel- und Freizeitanlagen
Tagesordnung:
- Begrüßung
- Themenrahmung
- Einleitung und zentrale Gedanken des OBM Dr. Florian Janik
- Themenblöcke
- Treffpunkte junger Menschen in Erlangen
- Elternsicht: Fehlende Angebote in Erlangen
- Frei verfügbare Zeit junger Menschen in Erlangen
- Ehrenamt und Jugendleiter*innen
- Abschlussrunde und Ausblick
Kurz und knackig
Die zweite Runde der Fachgruppengespräche beschäftigt sich inhaltlich im Schwer-punkt mit informellen Treffpunkten junger Menschen in Erlangen, der Elternsicht auf die Angebotslandschaft in Erlangen, sowie den Themen Zeit und Ehrenamt. Anschließend soll es um die weiteren Schritte und die perspektivische Weiterent-wicklung der Bedarfsplanung für Jugendliche in Erlangen gehen.
Begrüßung und Themenrahmung durch Stefan Käs
Die Befragungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 10 Jahren sowie von Eltern erfolgten ab Mai und Juni 2023 in Form von Interviews und schriftlichen Erhebungen. In der zweiten Fachgruppe werden die Ergebnisse aus vier weiteren Teilbereichen gemeinsam mit dem Fachgremium erörtert.
Die erste Fachgruppe tagte im November des vergangenen Jahres. Die angeregte Diskussion, die sowohl Lob als auch Kritikpunkte umfasste, diente als Grundlage für die Weiterentwicklung dieser Fachgruppe. Die zweite Fachgruppe beginnt mit:
- Begrüßung von OBM Herrn Dr. Florian Janik, der via Webex zugeschaltet ist.
- Begrüßung des Sozialreferenten Dieter Rosner.
- Die Amtsleitung Kerstin Knörl und der Stellvertreter Christian Schübel-Gabler entsenden Grüße in die Fachgruppe
Die zweite Runde der Fachgruppengespräche beschäftigt sich inhaltlich im Schwerpunkt mit informellen Treffpunkten junger Menschen in Erlangen, der Elternsicht auf die Angebotslandschaft in Erlangen, sowie den Themen Zeit und Ehrenamt. Die perspektivische Weiterentwicklung der Bedarfsplanung für Jugendliche in Erlangen steht im abschließend im Fokus.
Einleitung und zentrale Gedanken des OBM Dr. Florian Janik
Herr Janik ist digital zugeschaltet.
Die Ergebnisse der Erhebungen stehen vor der besonderen Herausforderung, dass – wie bei schriftlichen Befragungen häufig der Fall – eine Verzerrung zugunsten bestimmter Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen besteht. Dies ist eine generelle Schwäche solcher Erhebungen.
Zum einen leben in der Stadt viele Familien, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund. Diese Gruppen geben häufig nur zurückhaltend Auskunft über zentrale Aspekte ihres Lebens.
Zum anderen betrifft dies Menschen mit Inklusionsbedarf, die sich Befragungen oft entziehen oder von den durchführenden Stellen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Diese Personengruppen dürfen nicht als separate „Add-on-Kapitel“ behandelt werden. Sie sind fester Bestandteil der Stadtgesellschaft und müssen daher einen zentralen Platz in der Arbeit einnehmen. Eine künstliche Trennung in „Wir“ und „Die“ ist nicht nur unangemessen, sondern widerspricht dem Gedanken einer inklusiven Betrachtung.
Die Projektgruppe unterstreicht dies. Um die in der statistischen Untersuchung unterrepräsentierten Gruppen angemessen einzubeziehen, wurden qualitative Interviews geführt. Deren Ergebnisse bilden zentrale Elemente im Teilplan Jugend.
Themenblöcke mit Diskussion zu den Befragungsergebnissen
Treffpunkte junger Menschen in Erlangen
Um die Lebenswelt junger Menschen besser zu verstehen, sind sozialräumliche, lokale und territoriale Rahmenbedingungen
von großer Bedeutung. (Quelle: Kessl/Reutlinger 2007)
Als öffentliche Jugendräume werden solche Orte bezeichnet, die für Jugendliche frei zugänglich sind, d. h. gebührenfrei
in der Freizeit von ihnen aufgesucht werden können. Unterschieden wird zwischen
- formell errichteten bzw. institutionellen Angeboten, wie Vereine, Sportplätze, Schulen/Schulhöfe und öffentlichen
Jugendhäusern sowie - informellen Jugendräumen. Zu letzteren zählen alle übrigen Treffpunkte (öffentliche Räume, Grünflächen,
Skatanlagen, Arcaden etc.). (Quelle: https://www.familiengerechte-kommune.de/wp-content/uploads/2017/01/Jugendgerechte-Quartiere_final.pdf)
Erlanger Jugendliche geben an, dass der bei weitem wichtigste Freizeitort bei ihnen zu Hause oder bei den
Freunden daheim ist.
Dann folgen in sinkender Rangfolge:
- Straßen, Plätze, Innenstadt und Arcaden
- Spielplatz und Freizeitflächen
- Schule oder Schulhof
- Gelände eines Sportvereins
- Kneipen und Cafés
- Fitness-Studio
- Club
- Jugendclub
- Gemeindehaus, Pfarrheim oder Moschee

Es gibt Unterschiede bei den Geschlechtern. Während sich die männlichen Befragten lieber auf dem Gelände ihres
Sportvereins, dem Fitness-Studio und dem Club aufhalten, fühlen sich die weiblichen Befragten eher von den Treffpunkten
in Kneipen und Cafés angesprochen.
In Abhängigkeit vom Alter sind die unterschiedlichen Orte der Freizeitgestaltung von größerer oder geringerer Bedeutung.
Von den Spiel- und Freizeitflächen hin ins Fitness-Studio und die Kneipen und Cafés. Mittelschüler treffen
sich häufiger auf dem Schulgelände oder in Jugendclubs und dafür seltener in Kneipen, Cafés sowie Gemeindehäusern
als Realschüler und Gymnasiasten.
Im Rahmen der der quantitativen Jugendbefragung wurde konkret gefragt:
Was ist dir bei einem Treffpunkt wichtig?

Informelle Treffpunkte sind an das Zusammenspiel von Örtlichkeit und Attraktivität geknüpft.
Die These, dass „informelle Treffpunkte an das Zusammenspiel von Örtlichkeit und Attraktivität geknüpft sind“, lässt sich durch diese Erkenntnisse stützen: Jugendliche suchen bewusst Orte auf, die leicht zugänglich sind und eine attraktive Umgebung bieten, sei es durch Freizeitmöglichkeiten oder soziale Anreize. Diese Treffpunkte ermöglichen es jungen Menschen, sich im Stadtgeschehen einzubringen und ihre Freizeit unabhängig von institutionellen Vorgaben zu gestalten.
Daher ist es für die zukünftige Stadtplanung von Bedeutung, Räume zu schaffen, die nicht nur funktional, sondern auch für Jugendliche attraktiv sind. Das könnte durch jugendgerechte Gestaltung von öffentlichen Plätzen, Grünanlagen und Freizeitflächen erfolgen, welche den Interessen und Bedürfnissen der verschiedenen Alters- und Geschlechtsgruppen entsprechen.


Frage:
Wo können attraktive öffentliche Räume für junge Menschen in Erlangen gestaltet/ eingerichtet/ erhalten werden?
Diskussion in der Fachgruppe
Jugendliche, die die städtischen und freien Jugendhäuser nutzen, sind in der verbandlichen Jugendarbeit eher unterrepräsentiert. Diese Gruppe umfasst etwa 10–12 % der Jugendlichen und besteht häufig aus jungen Menschen mit besonderen Herausforderungen, Bedürfnissen und Förderbedarfen. Sie bildet einen wichtigen integralen Bestandteil des Teilplans Jugend.
Die Räumlichkeiten der Jugendhäuser werden von diesen Jugendlichen gerne genutzt und erfreuen sich großer Beliebtheit. Es lässt sich nicht identifizieren, ob Jugendliche trennscharf Jugendclubs und Jugendhäuser unter-scheiden, da diese beiden Begriffe von den Befragten deckungsgleich verwendet werden.
Der Lebensradius von Jugendlichen und jungen Erwachsenen variiert stark. Je geringer das sozioökonomische Kapital, desto kleiner ist ihr Freizeitumfeld. Der Stadtteil als Aufenthalts- und Begegnungsort spielt daher eine zentrale Rolle.
Im Stadtteil Büchenbach ist eine zunehmende Mobilität unter Kindern und Jugendlichen zu beobachten – feste informelle Treffpunkte lösen sich auf. Stattdessen orientieren sich die Jugendlichen flexibel an Orten mit hoher sozialer Dynamik. Dabei entsteht eine deutliche Diskrepanz zwischen beliebten Treffpunkten („Hotspots“) und Bereichen, die bewusst gemieden werden („No-Go-Areas“). Die kartografische Auswertung zeigt in einigen Stadtteilen Überschneidungen beider Kategorien.
Insbesondere Büchenbach und die Innenstadt weisen sowohl Hotspots als auch No-Go-Areas auf. Allerdings gibt die Mehrheit der Jugendlichen an, sich in Büchenbach ungern aufzuhalten.
Fehlende Cafés oder Kneipen als Treffpunkte für ältere Jugendliche tragen dazu bei, dass alternative Orte in Büchenbach kaum existieren. Laut den Befragungsergebnissen – sowohl aus der qualitativen als auch der quantitati-ven Erhebung – stellen finanzielle Zugangshürden jedoch keinen wesentlichen Hinderungsgrund für die Jugendlichen dar.
An den öffentlichen Sportanlagen, wie z.B. bei der BüNo19 werden die Jugendlichen aufgrund des nächtlichen lauten Basketballspiels immer wieder von Anwohnern verjagt. Dies zeigt sich bei vielen informellen Aufenthaltsorten. Jugendliche werden bewusst durch Sicherheits- und Ordnungsbehörden verdrängt. Besonders Büchenbach weist reale Dissonanzen auf. Daraus lässt sich die Vermutung ableiten, dass sich neben den wichtigsten Merkmalen für Treffpunkte die Orte mit dem geringsten Widerstand als informelle Treffpunkte etablieren.
Diese Erfahrungen zeigen ebenfalls überregionale Studienergebnisse für Städte. Die Orte verlieren in der Regel an Attraktivität, je häufiger Jugendliche von Ihnen vertrieben werden. Damit steigen die Dissonanzen zwischen Attraktivitätsmerkmalen und realen Treffpunkten. Das ist auch im Erlanger Raum zu beobachten. Die Verdrängung gestaltet sich vom Bahnhofsvorplatz zum Jugendtreff FUXX über den Kaufhof bis in die Parkhäuser.
Die Erlanger Innenstadt stellt für nahezu alle Erlanger Jugendliche den Bereich dar, an dem sie alle wichtigen Merk-male vorfinden.
Durch integrierte Planungen könnten ämterübergreifend – unter Einbeziehung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen – Plätze für diese Personengruppen gestaltet werden. Hier reichen die Ideen von Bolzplätzen bis hin zu Freizeitflächen. Es stützt sich auf die These, dass eine gemeinsame Gestaltung eines Platzes die Attraktivität desselben steigert. Damit entstehen Verbindungsmöglichkeiten und die Nutzer fühlen sich wohl. Auch eine beiläufige Gestaltung über die Wahl der Sitzmöglichkeiten kann die Attraktivität informeller Treffpunkte steigern.
Zeitpunkte für die Umsetzung können aufgrund der Finanzkrise derzeit nicht benannt werden.
Es bleibt abschließend die Frage, ob Jugendliche Räume von anderen entwickelt haben möchten. Die Stadt könnte in einem gestalterischen Prozess Jugendbeteiligung anbieten. Hierbei kann die Jugendhilfe den Vermittlerprozess zwischen Jugendlichen und der Politik arrangieren.
Elternsicht: Fehlende Angebote in Erlangen
Eine bedarfsgerechte Angebotsgestaltung sollte sich in einer hohen Zufriedenheit der Zielgruppen widerspiegeln. Um auch die elterliche Sicht einzuholen, wurden die Erlanger Eltern von jungen Menschen befragt, was aus ihrer Sicht in Erlangen fehlt. Die Antworten variieren je nach Altern der Kinder. Sie konnten in offenen Angaben gemacht werden. Für die Auswertung wurden die Antworten geclustert. Knapp 700 Eltern haben an der Befragung teilgenommen. Es kamen 300 Antworten in der offenen Frage.
Diskussionsfrage
1. Freizeitangebote für Jugendliche
- Mangel an Jugendclubs und Jugendtreffs, insbesondere in bestimmten Stadtteilen wie Alterlangen und Eltersdorf.
- Es fehlen Treffpunkte für Jugendliche ab 14 Jahren.
2. Nicht-wettkampforientierte Sportangebote
- Fehlen von Freizeit-Sportangeboten, die sich nicht auf Wettkampf und Leistung konzentrieren.
- Bedarf an inklusiven, freizeitorientierten Sportprogrammen, die auf Spaß und Gesundheit fokussieren.
3. Kapazitätsprobleme der Jugendkunstschule (Juks)
- Die Nachfrage nach Kursen der JUKS übersteigt das bestehende Angebot deutlich.
- Es gibt nicht genügend kreative und künstlerische Programme für Kinder und Jugendliche.
4. Spielplätze und Outdoor-Aktivitäten
- Unzureichende Anzahl und Qualität von Spielplätzen, insbesondere für ältere Kinder.
- Bedarf an altersgerechten Abenteuerspielplätzen und Outdoor-Aktivitäten.
5. Kultur- und Freizeitveranstaltungen
- Bedarf an regelmäßigen Kultur- und Sportevents speziell für Kinder und Jugendliche.
6. Sportangebote und Einrichtungen
- Fehlende spezialisierte Sportangebote (z.B. Schwimmen, Kampfsport) und Indoor-Sportmöglichkeiten.
- Zu wenige Platz und Hallenkapazitäten, Zugang zu bestehenden Sportstätten ist für Öffentlichkeit oft nicht möglich
7. Spezielle Angebote für Mädchen
- Bedarf an zielgerichteten Angeboten und Räumen für Mädchen, einschließlich Programme zur Stärkung des Selbstbewusstseins.
8. Infrastruktur und Erreichbarkeit
- Verbesserung der Erreichbarkeit von Freizeit- und Bildungsangeboten durch besseren öffentlichen Nahverkehr.
- Verbesserung der (Verkehrs-)Sicherheit von Wegen und Verbindungen zu Freizeiteinrichtungen.
9. Inklusive Angebote
- Schaffung inklusiver Angebote für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen.
- Sicherstellung der Barrierefreiheit in Freizeit- und Bildungsangeboten.
10. Ferienbetreuung und -programme
- Erweiterung der ganztägigen Ferienbetreuungsprogramme.
- Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen zur Finanzierung und Organisation von Ferienangeboten.
Zu jedem der genannten Punkte existieren schon heute Angebote in Erlangen.
In vielen Antworten ist der Trend und der Wunsch zur Niederschwelligkeit von Angeboten zu erkennen.
Eine zentrale Steuerung über all diese Angebotsformen existiert nicht.
Frage:
Die Informationen sollen bestmöglich genutzt werden. An wen können diese Informationen hierfür jeweils weitergegeben werden?
Diskussion in der Fachgruppe
Vor dem Hintergrund der schwierigen Haushaltslage gilt es den Status Quo an Freizeitangeboten mindestens zu erhalten. Dies ist in der aktuellen Situation nicht selbstverständlich. Daher ist dies dringend an die Politik zu adressieren. Diese muss dafür sensibilisiert werden. Der Erfolgswert des Erhalts wird sich nicht sofort einstellen, doch ein Rückbau wird ernüchternde Folgen haben.
Dem Finanzloch fallen bereits Projekte wie der Jugendclub im Eltersdorfer Feuerwehrhaus zum Opfer.
Zu jedem der genannten Punkte existieren schon heute Angebote in Erlangen. Die Angebote scheinen jedoch mancherorts unbekannt zu sein. Doch es gibt neben bereits gut ausgebauten und viel genutzten „Nischenangeboten“ wie der Mädchenarbeit auch noch deutlich zu wenig Angebote in anderen Bereichen. Hier sind gezielt Angebote nur für Jungen zu benennen.
In vielen Antworten ist der Trend und der Wunsch zur Niederschwelligkeit von Angeboten zu erkennen. Eine zentrale Steuerung über all diese Angebotsformen existiert nicht. Es bedarf also einer allgemeinen und leicht zugänglichen Informationsquelle für Eltern.
Eltern und Familien mit Migrationshintergrund und mit Inklusionsbedarf brauchen einen direkten Zugang durch vertrauenswürdige Personen. Es gilt Communityleader zu finden und das Multiplikatorensystem zu nutzen. Zu nennen sind beispielhaft Sportvereine, muslimische Communities oder Elterntalk. Die Schulen sind über ihren direkten Elternzugang explizit mit einzubinden.
Die Vernetzung ist unter den Vereinen und Verbänden in den letzten Jahren verbessert worden. Doch das Potential ist noch nicht ausgeschöpft. Daher gilt es alle zur Verfügung stehenden Werbemöglichkeiten in der Stadt zu nutzen.
Der Aufbau einer städtischen Datenbank/ einer App/ einer Jugendseite der Stadt mit allen Angeboten wird angeregt. Die Umsetzung und die Aktualität sind jedoch schwierig und teuer. Die Anbieter selbst wären gefordert, ihre Angebote zu jederzeit aktuell zu halten. Das setzt voraus, dass auch Ehrenamtliche auf dieser Vernetzungsebene arbeiten. Doch viele Ehrenamtliche sehen dies nicht als ihren Auftrag. Auch konkurrierende Angebote sprechen gegen eine Teilnahme und das Interesse mancher Anbieter.
Frei verfügbare Zeit junger Menschen in Erlangen

Entscheidende Rahmenbedingung für die Freizeitgestaltung ist frei verfügbare Zeit von Kindern und Jugendlichen.
Im Schnitt haben die Erlanger Kinder und Jugendlichen unter der Woche 5 Stunden freie Zeit zu ihrer Verfügung. Junge Menschen im gymnasialen Bildungsgang haben dabei den geringsten Anteil.
Durchschnittlich sind sie zwar an knapp vier Tagen vor 16.00 Uhr zu Hause, jedoch wird ein Großteil der Nachmittagsstunden für die Schulvorbereitung benötigt.
Die Erlanger Kinder und Jugendlichen haben im Gegensatz zu anderen Personengruppen, wie z.B. Rentner oder Familien mit kleinen Kindern, somit nur ein sehr eingeschränktes Zeitfenster, um Angebote besuchen zu können.
Innerhalb der Qualitativen Interviews wurden Jugendlichen, die keine Angebote besuchen zu den Gründen befragt. Die häufigste Antwort hier war fehlende Zeit an sich oder aber mangelnde Flexibilität in der Zeiteinteilung.
Frage:
Die Angebote müssen stattfinden, wenn Jugendliche Zeit haben sie wahrzunehmen. Problem: Betreuende haben oft zu diesen Zeitpunkten keine Zeit. Welche Ideen existieren, um diesen Widerspruch aufzulösen. Welche Handlungsoptionen hat die Stadt Erlangen? Wie schaffen wir es, dass Betreuende und zu betreuende Jugendliche zeitlich gut zusammenkommen?
Diskussion in der Fachgruppe
Es müsste ein gemeinsames Denken von Schule und den Aktivitäten in den Freiräumen von Jugendlichen geben. Schule sollte gefordert sein auf Kompatibilität zu achten. Wenn sich eine Größe verschiebt, heißt das noch nicht, dass die anderen Ressourcen weichen müssen. Sonst geht viel an Jugend(verbands)arbeit verloren.
Frei verfügbare Zeit von Jugendlichen verändert sich. Schule nimmt zunehmend einen größeren Teil des Tages ein. Damit der Ort Schule mit langen Tagesaufenthalten auch als Freizeitort attraktiv ist und bleibt, wäre es für viele junge Menschen wichtig, diesen Ort zwischenzeitlich zu verlassen.
Die folgenden Diskussionsinhalte beziehen sich auf das Thema „Ganztag im Schulalltag“:
Vereine und Verbände sollten daher im Ganztag mit eingebunden werden. Obwohl Jugendliche damit schulisch gebunden sind, könnten diese Stunden als frei verfügbare Zeit wahrgenommen werden. Dies ist jedoch hier in Erlangen bisher kaum umsetzbar, da die Vereine und Verbände in den frühen Nachmittagsstunden keine Ehrenamtlichen entsenden können.
Für das Ehrenamt gilt neben dem Spaß an der Tätigkeit auch immer die Frage, ob es leistbar ist, sich ehrenamtlich zu engagieren. Nur bei (teilweise bezahlter) Freistellungen durch die Arbeitgeber*innen in den frühen Nachmittagsstunden könnte dies gewährleistet werden. (siehe Freistellungsgesetz) Als Ehrenamtlicher kann man sich häufig nicht dauerhaft binden, da Freiräume nicht mehr regelmäßig bestehen. (z. B. Prüfungszeiträume)
Freizeitgestaltung im schulischen Kontext ist eine Frage der Bezahlung, von Hauptamt und die Vereinbarkeit mit den eigenen familiären Gegebenheiten.
Hier werden die Kommunen mit dem Ganztagsförderungsgesetz vor fast unlösbare Herausforderungen gestellt. Offen bleibt, ob die Schulen oder die Jugendhilfe das ausführen. Wenn Schule sich hier sperrt, dann läuft die Jugendhilfe in ein Systemproblem.
Der Ganztag verändert das Zeitregime der Freizeitgestaltung von jungen Menschen. Es gilt, sich immer wieder den Blickwinkel der Jugendlichen einzuholen. Was wollen Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit machen? Muss das betreut sein? Vielleicht kann das bewusst nicht in der Schule stattfinden?
Klar ist, dass es eine bewusste Abgrenzung zur Schule geben sollte/muss. Schule ist von Leistung und Pflicht geprägt. Freizeit sollte davon (in Teilen) befreit sein.
Nicht alle Jugendlichen müssen in Angeboten andocken. Es gibt zudem Jugendliche, die nicht mehr bereit sind, sich irgendwo zu binden. Diese Gruppe darf in der Berichterstattung nicht verloren gehen.
Ehrenamt und Jugendleiter*innen
Junge Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit in verschiedenen Bereichen des ehrenamtlichen Engagements und setzen sich dabei sowohl für ihre eigenen Interessen als auch für die anderer ein. Diese Aktivitäten sind Ausdruck sozialer Teilhabe und tragen wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Zudem sind die Engagement-Felder wichtige Orte non-formaler und informeller Lernprozesse, an denen junge Menschen zahlreiche Fähigkeiten und Kompetenzen erwerben, insbesondere im sozialen Bereich und bei der Übernahme zivilgesellschaftlicher Verantwortung. (Quelle: Was geht? 2.0 Hallesche Kinder- und Jugendstudie 2024, S. 80).

26% der Befragten geben an, ehrenamtlich aktiv zu sein. Die Teilnahme am Ehrenamt steigt mit steigendem Alter. In Erlangen übernehmen diese Aufgabe überwiegend Gymnasiast*innen. Studien für andere Kommunen weisen jedoch darauf hin, dass grundsätzlich weder Geschlecht, Migrationshintergrund, ökonomische Lage noch Bildungsweg einen relevanten Einfluss auf das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen haben.
Das 5. Deutsche Freiwilligen Survey, dass in seiner letzten Durchführung noch in die Zeit vor Corona datiert, weist auf in dieser Altersklasse einen nahezu doppelt so hohen Anteil an ehrenamtlich aktiven jungen Menschen aus. (68% bis 73%).
Die Zeitverwendungserhebung des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2024 kommt im Vergleich dazu in der Altersklasse der 18 bis 29-Jährigen auf einen Wert von 36% von Menschen die sich ehrenamtlich engagieren und somit auf einen Wert, der im Bereich der Erlanger Ergebnisse liegt. Der Einfluss der Corona-Pandemie ist hier somit überregional deutlich zu spüren.
Bei der Interpretation der Werte ist zu berücksichtigen, dass die Befragten u.U. „ehrenamtliches Engagement“ jeweils unterschiedlich definiert. Es kann von einmaligen Aktionen bis zu regelmäßig stattfindenden Angeboten gefasst werden.
Frage:
Wie kann/ muss das jugendliche Ehrenamt in Erlangen gestützt werden?
Diskussion in der Fachgruppe
Ehrenamt muss stärker betreut und begleitet werden. Das Ehrenamtsbüro ist ein sehr positives Beispiel. Auch das Stadtteilbüro mit den selbstverwaltenden Jugendclubs kann auf eine positive Geschichte zurückblicken. Wenn es die Unterstützung durch die Stadt nicht gäbe, wären die selbstverwalteten Jugendclubs bestimmt nicht mehr so zahlreich vertreten.
Honorierung und Prestige von Ehrenamt als Kommune heben: Die Stadt setzt das bereits seit vielen Jahren aktiv und erfolgreich um. Derzeit gibt es Entscheidungen, die jedoch kontraproduktiv sind. In den kommenden Wochen wird es voraussichtlich Entscheidungen geben, die fachlich nicht richtig sind. Doch trotzdem werden sie getroffen werden müssen. Geplante Kürzungen der Ehrenamtskarte und der JuLeiCa sowie Streichung vergünstigter Eintritte in die Bäder.
Jugendliche sollen das machen dürfen, wofür sie sich interessieren. Das bedeutet in der Nachwuchsfrage jedoch auch, dass viele Vereine für Jugendliche unattraktiv sind. Jugendliches Engagement ist durchgängig mit Interesse für die jeweilige Sache verbunden.
Spaß und Erleben sind die Hauptkomponenten für ehrenamtliches Engagement. Corona war in den Vereinen und Verbänden ein harter Einschnitt. Erleben ist über Jahre gänzlich entfallen. Aus Teilnehmenden an Aktionen werden Ehrenamtliche. Eine ganze Generation fehlt im Ehrenamt.
Jugendliche müssen für ein Ehrenamt Zeit haben, brauchen eine stabile psychische Verfassung und finden Freude an der Tätigkeit.
Menschen mit Inklusionsbedarf und Migrationshintergrund, scheinen sich in Vereinen nicht immer willkommen zu fühlen. Manche Vereine und Verbände grenzen offenbar unbewusst aus.
Das BIG-Projekt zeigt, dass viele migrantische Frauen gar nichts von Vereinsangeboten oder dem Ehrenamt wissen.
Jugendverbände müssen sich der Herausforderung stellen, gesellschaftliche Veränderungen aufmerksam zu beobachten und darauf zu reagieren. Derzeit geschieht ein gesellschaftlicher Transformationsprozess, dem sich die Vereine und Verbände anpassen sollten.
So gilt es deshalb auch die Diversität im Ehrenamt zu fördern. Hier sollte das Erlanger Ehrenamtsbüro tätig werden.
Verbandsarbeit muss immer professioneller sein und werden, um überleben zu können. Die Bedingungen für Ehrenamt werden immer höher. Hürden, wie beispielsweise Führungszeugnis, JuLeiCa und Zuschussrichtlinien nehmen stark überhand. Abbau und Niederschwelligkeit erleichtern den Zugang zum Ehrenamt. Vor allem für Jugendliche und junge Menschen aus nicht-gymnasialen Bildungsgängen. Eine Zusammenarbeit mit allen Schularten ist wünschenswert, um Schülerinnen und Schüler vom Ehrenamt zu begeistern.
Die aktuellen Veränderungen in den Mietverträgen stellen viele Vereine und Verbände vor große Herausforderungen. Während die Mietzahlungen bisher durch die zuständigen Fachämter abgewickelt wurden, liegt die Verantwortung nun direkt bei den jeweiligen Vereinen und Verbänden. Dies führt zu einem erhöhten administrativen Auf-wand und einer zusätzlichen organisatorischen Belastung, die insbesondere kleinere Strukturen vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Auch die Nutzungen von Räumen stehen auf dem Prüfstand.
Die Vernetzung von Vereinen und Verbänden sollte gestärkt werden, um engagierte Jugendliche gezielt in das passende Ehrenamt zu begleiten.
Abschlussrunde und Ausblick
Die Ergebnisse werden zusammengetragen, Handlungsempfehlungen für den JHA und den Stadtrat formuliert und münden in einer Charta der Jugendarbeit.
Dies geschieht in einem transparenten Prozess, der auf der Homepage https://erwachsenwerden-erlangen.de/ dar-gestellt wird. Über den jeweiligen Arbeitsfortschritt wird die Fachgruppe informiert. Kommentare, Ergänzungen und Vorschläge sind dabei ausdrücklich erwünscht.
Die Einbringung erfolgt in den JHA und den Stadtrat. Auf diese Weise lassen sich einzelne Bereiche künftig modular weiterentwickeln. Viele Aspekte wurden bisher noch nicht betrachtet. Durch die Homepage und die gewählte Herangehensweise wurde eine Struktur geschaffen, die eine erste gezielte Weiterentwicklung in diese Richtung ermöglicht.
Aspekte, die als nächste Schritte betrachtet werden sollten:
- Das Thema Inklusion sollte trotz umfassender Kürzungen weiterhin berücksichtigt werden.
- Das IKJHG steht bereits auf der Agenda und die Grundlagen sind geschaffen. Dieses Thema wird uns zukünftig intensiv begleiten wird.
- Integrierte Sozialraumplanung mit Blick auf die Quartiere von Jugendlichen in der Stadt.
- Die Gruppe der Jugendlichen mit besonderen Herausforderungen, Bedürfnissen und Förderbedarfen ist wichtiger integraler Bestandteil des Teilplans.
- Kooperation zwischen Jugendamt und Sportamt fördern, um voneinander zu profitieren und die aktuellen Themen abzugleichen.

